Verkaufsbezeichnungen, Baumuster, Baugruppen, Datenkarten und FIN/VIN ​

  • Hilfestellungen zu Unimogs:
    Verkaufsbezeichnungen, Baumuster, Baugruppen, Datenkarten und FIN/VIN


    Copyright: Freunde des Unimogs e.V.

    Autoren: Gerold Hahn, Helmut Schmitz, Peter Weiss, Gegengelesen und Korrektur: Stationsvorsteher



    Liebe Unimog-Freunde!


    Oft stehen vor allem Unimog-Neulinge etwas ratlos vor der schier unbegrenzten Vielfältigkeit der Universal-Motor-Geräte. Wir möchten an dieser Stelle mit Hilfe einer kleinen Anleitung etwas Licht in die Welt der Verkaufsbezeichnungen, Baureihen und Baumuster bringen.


    Der Unimog hat immer eine Verkaufsbezeichnung, die üblicherweise im Handel verwendet wird, zusätzlich aber auch (noch fast wichtiger) eine Baureihen- sowie eine Baumuster-Bezeichnung.

    Dabei ist die Vielfalt der Verkaufsbezeichnungen teilweise geradezu verwirrend, insbesondere mit dem Erscheinen der „schweren“ Baureihen ab 1975. So ist z. B. ein U1300 eine Zugmaschine mit auf hohe Belastungen ausgelegten Achsen (Baureihe 425). Ein U1300L ist dagegen ein hoch-geländegängiger LKW (Baureihe 435). Beiden ist wiederum gemeinsam, dass sie von den gleichen Motortypen angetrieben werden.

    Das „L“ weist daraufhin, dass es sich um ein Fahrzeug mit einem „langen“ Rahmen handelt, der in diesem Fall einhergeht mit einem Radstand von 3250 mm. Später wurde das „L“ durch eine „50“ in der Modellbezeichnung abgelöst, was auf den etwa um 50 cm längeren Radstand des Baumusters gegenüber dem Fahrzeug mit dem kürzeren Radstand hindeutet. Ein „langer“ Radstand von 3250 mm bedeutet aber nicht automatisch, dass das Fahrzeug einen „langen“ Rahmen hat.

    Ein typisches Beispiel der Bezeichnungen von einem Fahrzeug (BJ 1987) wäre:


    Verkaufs-Bezeichnung: U1300L

    Unimog-Baureihe: 435

    Unimog-Baumuster der Baureihe 435: 115

    Es ist also wichtig den Unterschied zwischen Verkaufsbezeichnung, Baureihe und Baumuster zu kennen, insbesondere wenn die Baureihe identisch ist wie im folgenden Beispiel:


    Modell: U90 / U100L

    Baumuster: 408.100 / 408.215


    Wie kann man das Baumuster feststellen?

    Am besten an Hand der „Fahrzeug-Identifikations-Nummer“ (FIN):
    Im Fall eines U1300L kann sie, in Abhängigkeit vom Baujahr, so aussehen:


    WDB 435115 10 094799 (bis FIN-Endnummer 126895)
    WDB 4351151W143587 (ab FIN-Endnummer 126896)


    Man findet die FIN im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II), im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) und auch am Rahmen des Unimogs selbst, in der Regel im Rahmen eingeschlagen hinter dem rechten Vorderrad.


    Die ersten drei Zahlen aus der FIN identifizieren die Baureihe, die nächsten drei das Baumuster eindeutig, d.h. allein mit dieser Information kommt man schon ziemlich weit, was das Basisfahrzeug betrifft.

    Um nun festzustellen, was alles am Fahrzeug verbaut wurde, welche Sonderausstattungen (SA) angebracht wurden und was während der Wartungen evtl. verändert wurde, greift man idealerweise auf die sogenannte „Datenkarte“ zurück.


    Diese enthält viele wichtige Informationen zu den verbauten Teilen und dessen Seriennummern.


    Beispiel:
    Motornummer: 366955 10 077252 (entspricht einem OM 366A)

    Getriebe: 717901 10 052317 (entspricht einem UG 3/40)

    Lenkung: 765601 10 087231

    etc.

    SA-Nummern (Codes):

    Gruppe 1: 01 018638/05, 01 081408/55, 01 083036/01 usw.

    Gruppe 3: 03 081408/55

    etc.


    Hinweis:

    Eine Aufschlüsselung der Codes findet sich hier:

    Sonderausstattungen | SA-Codes


    Zu jedem jemals gebauten Unimog gibt es eine Datenkarte:

    „Online“ im EPC (Electronic Parts Catalogue) von Mercedes-Benz sind die Datenkarten via FIN ab ca. Mitte der 1980er Jahre zu finden, ältere Datenkarten können als Kopie beim Unimog-Museum in Gaggenau angefragt und erworben werden. Dazu ist natürlich ein Besitznachweis zu erbringen, am besten mit einer Kopie des Kaufvertrages und der Zulassung.


    Für Anfragen bzw. Hilfe im Forum ist insbesondere die Angabe des Baumusters von Bedeutung, weil diese die Basisinformation für eine zielgerichtete Antwort ist. Die vollständige FIN erlaubt eine genaue Suche nach der tatsächlichen Ausstattung des Fahrzeugs, die je nach Serienstand durchaus sehr variieren kann.

    Wir hoffen, dass diese kleine Anleitung ein wenig zum Verständnis des Sachverhalts beitragen konnte. Sollten dazu weitere Fragen bestehen, gerne im Forum posten.


    Viele Grüße vom Forenteam


    freunde-des-unimogs.de


    Nützliche Einführungsliteratur:

    Ralf Maille: Unimog / Das Multitalent auf Rädern | ISBN 3-440-09386-7

    Dieter Mutard: Unimog / Chronologie eines Welterfolgs | ISBN 3-613-02342-3


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