Vorstellung | Welcher Mog ist der richtige?

  • Hallo, Servus und Moin!


    Kurz ein paar Worte zu mir.

    Ich bin Torben, gerade noch 28 Jahre jung und wohne in der Nähe von Helmstedt zusammen mit meiner Freundin, Hund und den beiden Katzen.

    Beruflich kutsche ich mit einem Invalidentaxi als auch mit "der Schraube" durch die Gegend, sprich ich habe gerade den Kriesensicheren Job des Rettungsdienstes. Ursprünglich aber gelernter KFZ-Mechatroniker mit Hochvolt- und Nutzfahrzeugausbildung.


    Als Hobby zählt definitiv das Reisen, gerne auch mit Abendteuer und Freiheit. Zuletzt war ich mit meinem Passat auf Tour durch Dänemark, Schweden und Norwegen mit Dachzelt und kleinem Ausbau im Auto.

    Jetzt werden meine Freundin und ich aber auch nicht jünger und durch den Passat ist man, trotz "Umbau" für Schlechte Wege recht eingeschränkt was Schotterpisten, Matsch und Waldwege angeht.


    Bedingt durch den Luxus der Führerscheinklasse C/CE und einem Budget von ca. 30.000€ für das Fahrzeug wollte und darf ich nun meinen Traum umsetzten von einem Unimog.

    Nun habe ich die letzte Woche damit verbracht mich einzulesen in das Thema, muss aber sagen, ich steh recht ratlos vor dem ganzen, welches Fahrzeug das geeignete ist.


    Im Grunde soll es ein Fahrzeug sein, welches Geländetauglich ist und bleiben soll, etwas an Wattiefe mitbringen sollte. Wichtig wäre es, dass der Mog auch unterwegs mit recht einfachen Mitteln wieder repariert bzw. improvisert ans Laufen gebracht werden kann.

    Zur Not eben auch eine gute Ersatzteilversorgung Europaweit (der erste Rahmen soll in Europa stattfinden) gegeben ist.


    Er sollte, wenn Möglich, bereits eine Kabine drauf haben, den Umbau bzw. Ausbau würde ich dann in Eigenregie übernehmen.

    Rost ist kein k.o. Kriterium, Schweißen kann ich, das Gerät ist auch da.


    Scheune direkt vor der Haustür mit genügend Platz für den Mog ist auch da.


    Jetzt war die spannende Frage, welcher da ehsten passen würde? Ein alter vom THW, Bundeswehr oder Kommunale? Welcher Motor sollte denn am besten drin sein und welche Baureihe würde denn am besten zu uns passen? ^^


    Vielen Dank schon einmal und liebe Grüße,

    Torben

  • Hallo Torben,


    schön, Dich hier zu sehen!


    Mit dem Unimog zu reisen, bedeutet entschleunigt zu reisen, aber mit viel Überblick. Das meine ich durchaus wörtlich: Man reist langsam, aber mit deutlich erhöhter Sitzposition. Man sieht also mehr und hat auch mehr Zeit, die Umgebung zu betrachten. Das Reisen im nicht lärmgedämmten Unimog ist laut. Da sollte man etwas tun, sonst kann das Reisen mit Unimog eher anstrengend sein.


    Hinsichtlich Geländegängigkeit lässt der Unimog wenig zu wünschen übrig, im Zweifel kann das Auto mehr, als der der Fahrer sich zutraut. Wattiefe ist schon im Standard (80 cm) recht beachtlich, die mit Wateinrichtung sollen sogar 120 cm können.


    Welcher Motor? Ist - in meinen Augen - (eher) eine Ansichtssache: Viele wollen auf der Autobahn mit dem normalen Lkw-Verkehr mitschwimmen, wenn sie an das eigentliche Reiseziel fahren. Das ist sowohl mit dem OM 352 als auch mit dem 366A nicht so einfach, weil Abregeldrehzahl und Gesamtübersetzung so ausgelegt sind, dass eine zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht wesentlich überschritten wird. Die liegt bei rd. 85 km/h, wenn man mit den 335/80 R20 Reifen fährt, mit 365/80 R20 ist ca. 6 km/h schneller - in der Ebene. An Steigungen sieht das deutlich anders aus, hier geht insbesondere dem OM352 schnell die Puste für zügiges Fahren aus. Der OM 352A hat mehr Leistung als der OM 366A, aber weniger Drehmoment. OM 352A findet man praktisch nur bei ehemaligen Feuerwehr-Fahrzeugen, dann manchmal sogar mit einer "schnellen" Achse. Diese Fahrzeuge laufen dann auch wirklich flott, während die oft beworbene "schnelle" Achse beim OM 366A eigentlich nur die geringere Abregeldrehzahl des OM 366A kompensiert. Von der Endgeschwindigkeit sind die Fahrzeuge mit OM 352 und OM 366A mehr oder weniger gleich.


    Weil die maximale Eingangsdrehzahl für das Getriebe beim OM 366A niedriger ist als beim OM 352(A) - 2400 U/min vs. 2800 U/min, eignet sich dieser Motor eher für den Einbau eines zusätzlichen Übersetzungsgetriebes. Dieses Getriebe, auch als Splitgetriebe bezeichnet, erlaubt es, in jedem Gang die Eingangsdrehzahl des Getriebes um 10% zu erhöhen und so a) eine feinere Abstufung des Getriebes zu erhalten und b) eine um ca. 10% höhere Endgeschwindigkeit zu erreichen bzw. mit geringerer Motordrehzahl (=weniger Motorenlärm) bei gewünschter Geschwindigkeit zu fahren. Zu dem Thema gibt es umfangreiche Diskussionen im Netz, weshalb ich hier auf keine Details eingehe.


    Gute Fahrzeuge - da wird es schwierig. In Frage kommen Bundeswehr, THW, Feuerwehren, sonstige Anbieter.

    Die Bundeswehr hat eine eigentümliche Strategie beim Verkauf ihrer Fahrzeuge verfolgt: Zunächst wurden Depotfahrzeuge versteigert, dann die von aufgelösten Einheiten und jetzt kommen die Fahrzeuge dran, die ausgemustert werden, im Klartext als Schrott angesehen werden. Die jetzt kommenden Fahrzeuge sind deshalb fast durchgängig älter als die vor einigen Jahren versteigerten, zudem meist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Vielleicht ist zwischen denen, die jetzt von der VEBEG auf den Markt kommen, ab und an auch ein weniger verschlissenes Fahrzeug, aber was ich in Karlsruhe gesehen habe, war zum Davonlaufen. Trotz allem sind die Fahrzeuge nicht wirklich günstig.
    THW - durchgängig U1300L mit OM352, mit überwiegend erstaunlich hohen Laufleistungen und relativ alt. Rost, und den sollte man am Unimog nicht unterschätzen. Gefährdet sind in erster Linie das Fahrerhaus und die Kotflügel, alles aufwendig und gern an versteckten Stellen.

    Feuerwehren - In 2019 und Anfang 2020 hatten Gemeinden offensichtlich genügend Geld und Fördermittel, um den Fahrzeugbestand zu erneuern. Die von den Vorschriften her veralteten Unimogs wurden deshalb vielerorts durch neue Fahrzeuge ersetzt, sehr zum Leidwesen der Feuerwehrkommandanten. Sehr oft mit OM 352A, relativ geringen Fahrleistungen und typischerweise in einem relativ guten Allgemeinzustand. In den letzten Wochen sind auch 2 U1300L mit Doppelkabine auf Zoll-Auktion für jeweils rund 34.000 € versteigert worden.

    Sonstige Anbieter: Da muss man Glück haben. Es kommen immer wieder einige Behördenfahrzeuge in relativ gutem Zustand auf den Markt, die sind aber insgesamt selten. Auch werden mehr oder weniger gut ausgebaute Fahrzeuge von Eigentümern verkauft, weil sie das Reisen mit Unimog nicht mehr wollen und/oder können. Darüber hinaus gibt es natürlich Händler, die auf Versteigerungen Unimogs auf Vorrat gekauft haben und sie nach und nach auf den Markt bringen. Vor Fahrzeugen aus Braunkohletagebauen würde ich abraten, die sind typischerweise wirklich verbraucht. Bei Fahrzeugen aus dem Kommunaldienst muss man neben der Laufleistung auch die Betriebsstunden beachten, weil die gern als mobile Arbeitsmaschine genutzt wurden.


    Typischerweise liegt ein U1300L mit OM 352 bei einem Preis von um 19.000 €, ein U 1300L mit OM352A bei 22.000 € und der Kaufpreis für ein Fahrzeug mit OM 366A beginnt bei über 25.000 €. Doppelkabinen sind besonders gesucht, weil als Familienfahrzeuge geeignet, deren Preise liegen - nicht ausgebaut - typischerweise bei 33.000 € aufwärts.


    Zu den Baureihen: Der "klassische" Unimog als Off-Road-Reisefahrzeug ist einer mit einem Radstand von 3.250 mm, das ergibt einen guten Kompromiss zwischen Wendigkeit, Geländegängigkeit und Ausbau-/Aufbaufähigkeit. Lange Fahrgestelle gibt es bei den Baureihen 416, 424, 427, 435 und 437, daneben aber auch bei den Baureihen 408 und 418. Die Baureihe 416 hat ein sehr beengtes Fahrerhaus, das muss man mögen. 424 und 435 habe ein identisches Fahrerhaus, aber unterschiedlich breite Fahrgestelle. Die Spurbreite eines Unimogs der Baureihe 424 ist etwas schmaler als das der Baureihe 435. Der U1300L ist in aller Regel ein Fahrzeug der Baureihe 435. Ähnlich verhält es sich mit den Baureihen 427 und 437, die die Nachfolger der Baureihen 424 und 435 waren bzw. sind. Auch wenn Fahrzeuge der Baureihen 408 und 418 nicht wirklich häufig sind (es wurden sehr wenige gebaut), kommen immer wieder solche aus kommunaler Verwendung zur Versteigerung. Hier gibt es neben dem Thema Rost noch ein Thema mit der Verfügbarkeit von Ersatzteilen, insbesondere solchen mit Elektronik.


    So, ich hoffe, das hilft ein wenig zur Orientierung!


    Wünsche allen Mitlesenden einen guten Rutsch, alles Gute für 2021 und vor allem Gesundheit!


    Gruss

    Peter